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Whispers of Gunpowder - John Clayton - 30.01.2025 Es hatte eine Weile gedauert, bis John die erlittene Schmach durch die Hand seiner eigenen Frau seelisch verschmerzt hatte. Nicht so sehr die Tatsache, dass sie ihn tatsächlich angeschossen hatte – mit einer beachtlichen Zielgenauigkeit, wenn er ehrlich war –, sondern vielmehr die bittere Erkenntnis, dass er es war, der sie in dieser Hinsicht im Stich gelassen hatte. Seine erste Frau hatte das Schießen beherrscht, seine Tochter ebenso, und selbst sein Sohn hatte bereits in jungen Jahren gelernt, mit einer Waffe umzugehen. Doch Emily? Sie hatte bislang nie mehr als einen Kuchenheber oder eine Stricknadel als gefährliches Werkzeug in der Hand gehabt. Und das war allein seine Schuld. Es hatte immer einen Grund gegeben, eine Ausrede, einen Aufschub. Mal war es Emily selbst gewesen, die mit einem „Ich kann doch unmöglich mitten im Backen fort!“ abgewunken hatte, mal war es der Alltag, der ihn beanspruchte. Wenn es nicht die Arbeit in der Stadt gewesen war, dann waren es größere Probleme gewesen – wie die nervenaufreibende Entführung seines Sohnes. Ja, das allein war ein Grund mehr, endlich nachzuholen, was längst überfällig war. Heute würde er sich nicht beirren lassen. Kein Kuchen, kein wichtiges Nähkränzchen und auch keine übervorsichtigen Einwände à la „Was sollen die Nachbarn nur denken?“ würden ihn davon abhalten, Emily eine Waffe in die Hand zu drücken. Sie lebten hier draußen auf dem Land. Hier war es keine Seltenheit, dass eine Frau sich verteidigen konnte. Und verdammt noch mal, sie konnte es sollte es können. Er hatte alles vorbereitet. Während Emily sich um das Abendessen und den Abwasch kümmerte, hatte er draußen im Garten ein provisorisches Zielschießen eingerichtet. Ein Brett, zwischen zwei Holzstützen aufgelegt, trug eine ordentliche Reihe Dosen und Flaschen, die sie entbehren konnten. Die Waffe, gesichert und nicht geladen, lehnte griffbereit am Brunnen. Daneben lag ein Päckchen Patronen auf einem Hocker – und zur Wahl stand außerdem einer seiner Colts. Schließlich hatte sie den genutzt, um ihm fast das Ohr wegzuschießen. Zufrieden mit seiner Vorbereitung kehrte John ins Haus zurück. Er lauschte dem vertrauten Klappern aus der Küche, bevor er noch einmal nach dem Kleinen sah. Friedlich schlummerte der Junge in seinem Bett, die winzigen Hände an seine Decke geklammert. Er würde nichts mitbekommen. Perfekt. Also trat er in die Küche, räusperte sich leise – eine Angewohnheit, mit der er sich selbst Raum für Worte schaffte. „Emily“, sagte er schließlich, beinahe feierlich. Er wollte es einfach aussprechen, ihr mit ruhiger Entschlossenheit mitteilen, was er vorbereitet hatte. Doch auf dem Weg dorthin verließ ihn der Mut. „Emily“, wiederholte er, diesmal fester, als müsse er sich selbst überzeugen. „Ich hätte eine kleine Überraschung für dich. Aber dafür müsstest du deine Arbeit einmal ruhen lassen und mir hinaus in den Garten folgen.“ RE: Whispers of Gunpowder - Emily Clayton - 02.02.2025 Emily hatte auf ihre Weise nicht minder lang gebraucht, ihre Beinahe-Bluttat am eigenen Mann zu verwinden. Die kleine Frau war tagelang wie ein Schatten durchs Haus geschlichen und hatte sehr schlecht geschlafen. Erst nach und nach verblasste das Geschehene in der Erinnerung etwas. Auch beruhigte sie ihr Gewissen, indem sie John eine noch aufmerksamere, folgsamere und liebevollere Frau zu sein versuchte als ohnehin schon. Er hatte sich auch recht angetan davon gezeigt, von ihr auf Schritt und Tritt umsorgt und verwöhnt zu werden, was sie schließlich zu der vorsichtigen Hoffnung gebracht hatte, er habe ihr wohl verziehen. Trotzdem hatte sie sich fest vorgenommen, sich auch weiterhin mit doppeltem Elan als vorbildliche Haus- und Ehefrau zu erweisen, und sei es, nachdem sie ihre Untat an John vielleicht wiedergutgemacht hatte, als Buße. Eine Waffe jedenfalls, da war sie sicher, würde sie nie mehr in die Hand nehmen, und John würde es ihr auch gewiss nicht noch einmal erlauben – so viel hatten sie wohl beide aus dem Desaster mit dem unverschämten Lümmel und Sittenstrolch Moreau gelernt! Momentan war sie ganz in ihrer Arbeit versunken in der Küche zugange. Das Gemüse für die gemeinsame Mahlzeit der Familie hatte sie bereits geschält, auch ein schönes Stück Fleisch, Gewürze und sonstige Zutaten standen, ganz nach Art einer britischen Haushälterin, wie die Soldaten aufgereiht klar zum Gefecht. Die mollige Emily selbst beschäftigte sich mit den Strümpfen, die von Zeit zu Zeit gestopft werden mussten, und hatte einen ganzen Stapel behandlungsbedürftiger Exemplare auf einem der Küchenstühle zurechtgelegt, von denen sie sich eines nach dem anderen vornahm. Das Nähzeug hatte sie auf ihrem Schoß ausgebreitet, eine Tasse mit Tee stand in Griffweite – denn natürlich bevorzugte sie nach wie vor das Nationalgetränk ihrer Heimat. Gelegentlich horchte sie, ob nichts aus der Wohnstube zu hören war, wo John die Wiege für den Kleinen platziert hatte. Doch es rührte sich nichts – satt und zufrieden schlief Clayton junior den Schlaf der Gerechten. Überrascht hob sie den Kopf ein weiteres Mal, als plötzlich John in der Tür stand. Die kleine Frau sah neugierig zu ihm auf, als er in einem getragenen, sonoren Ton zu ihr sprach, als halte er eine Rede vor den Honoratioren der Stadt. "Was ist denn, Lieber?", erkundigte sie sich munter und schenkte ihm ein warmes Lächeln, das Nähzeug sinken lassend. "John...?" Ihre Verwunderung wuchs angesichts einer wirklich unerwarteten Ankündigung. "Eine Überraschung?", wiederholte sie. Was für eine Überraschung mochte das nur sein? Erfolglos versuchte sie in der Miene ihres Mannes zu lesen, während die Neugier sie packte und ihre Fantasie in Bewegung setzte. War es etwa ein Geschenk? Eine neue Schürze? Der große Kochtopf, den sie sich schon eine Weile wünschte? Ein Kleid etwa? Aber nein... weder Schürze noch Topf hätten erfordert, in den Garten zu gehen, und wenn er sie in einem neuen Kleid sehen wollte, wären die eigenen vier Wände erst recht der einzig richtige Ort dafür. Für einen winzigen Moment streifte sie der Gedanke, dass er womöglich die Absicht haben könnte, von ihr die Ausübung ihrer ehelichen Pflichten einzufordern – wie es sein gutes Recht war, von dem er allerdings zu ihrem Leidwesen seit der Geburt des Kindes noch keinen weiteren Gebrauch gemacht hatte. Die aufregende und durchaus nicht unangenehme Vorstellung, die sie mit diesem Wunsch verband, ließ sich jedoch am allerwenigsten mit der Notwendigkeit in Einklang bringen, nach draußen zu gehen. Emily errötete leicht, als ihr das in den Sinn kam. Was also konnte es sein? Womit wollte er sie überraschen? Wenn er auf ihre Neugier gerechnet hatte, hing sie jedenfalls bereits an seinem Haken: Eilig verfrachte sie Garn, Nadeln und Strümpfe auf den Tisch, stand auf und strich sich erst die Schürze, dann die nussbraunen Locken glatt. "Im Garten?" Beinahe wurde sie ein wenig kribbelig. Nun wollte sie aber wirklich zu gern wissen, worum es sich handelte. "Dauert es lang? Ich muss bald mit dem Kochen anfangen, wenn wir pünktlich essen wollen", improvisierte sie ein wenig übertrieben, um ihm wenigstens eine Andeutung zu entlocken, bevor sie noch platzte. RE: Whispers of Gunpowder - John Clayton - 23.02.2025 John ließ seine Worte wirken und schmunzelte. Er war sich sicher, dass er Emily nun lange genug kannte, um sich ihre Aufmerksamkeit mit dem Wort „Überraschung“ sichern zu können. Und so wie sie ihn ansah, schien sein Plan erwartungsgemäß aufzugehen. Sie wirkte interessiert, wenn auch ein wenig überrumpelt. Flüchtig kam ihm dabei in den Sinn, dass sie sich falsche Vorstellungen über seine Überraschung machen könnte. Nicht selten hatten diese Überraschungen im alten Schuppen geendet, wo sie ungestört von Timothys lebhaftem Wesen, Cassidys penetrantem Nachstellen und Misstrauen und den so wissenden wirkenden, anklagenden Blicken von Sophie einfach das tun konnten, was in diesem Haus kaum noch möglich war – Sex. Schlicht und profan. Nun, so betrachtet… Wäre ein Ausflug in den Schuppen gewiss auch eine nette Überraschung für Emily gewesen. Vielleicht würde der Abend auch dort enden, wenn sie sich bei der Übung am Gewehr, an die John heute eher dachte, geschickt anstellte? Sein Schmunzeln nahm etwas Entrücktes an sich, als er daran dachte, dass seine schwere Schussverletzung im Frühjahr, der lange Genesungsprozess, der Einzug von Holly ins Haus und die Geburt seines Sohnes sehr dafür gesorgt hatten, dass selten bis gar keine Zweisamkeit mehr zwischen ihnen herrschte. Ihre Röte, die plötzlich auf ihren Wangen erschien, ließ John wissen, dass sie beide offensichtlich gerade wirklich an dasselbe dachten und er musste leise lachen, wobei er den Blick senkte und sich halb zum Flur umdrehte. Ein Zeichen, dass er bereit war vorzugehen und sicher keine Fragen zu seiner Heiterkeit zu lassen würde. „Ja, im Garten,“ bestätigte er gelassen und zeigte mit einer Hand auf ihr Stick- und Strickzeug auf den Tisch. „Nun, so lange du dafür noch Zeit übrighast, kann das Essen auch noch warten. Finde ich,“ er machte den ersten Schritt wieder zurück, als ihm einfiel, dass sie über die Küche schneller in den Garten gelangten, als über den Salon. „Na komm schon,“ lud er sie erneut ein und schritt an ihr vorbei, eilte am Herd vorüber und öffnete die Hintertür. Umgehend sprang ihn Abe freudig an, der ihm vorhin erst geduldig dabei zugesehen hatte, wie er Emilys Schießstand aufgebaut hatte. John wehrte den lebhaften Hund ab und sah besorgt über den kleinen Hof zum hinteren Teil. Nicht das Abe bereits alle Falschen wieder abgeräumt hatte. Aber alles stand noch an Ort und Stelle. „Und es wird so lange dauern, wie du eben brauchst. Es hängt von dir ab, mein Schatz,“ versicherte er noch recht wohlgestimmt, weil er sich gute Aussichten für sein Vorhaben ausrechnete, wenn er es nur lange genug vor ihr geheim halten konnte. Am besten bis sie beim Brunnen waren. Er trat ins Frei und hielt Emily eine Hand entgegen. Ihm war gerade in den Sinn gekommen, dass Emily postwendend umkehren könnte, wenn sie die Flaschen und Dosen sah, wie auch die Waffen. Besser er hielt sie an der Hand oder untergehakt, dann konnte sie ihm nicht entkommen. „Ich glaube außer dir, wird dir niemand böse sein, wenn es heute später Abendessen gibt,“ lockte er weiter in geduldigem Ton. RE: Whispers of Gunpowder - Emily Clayton - 27.02.2025 Eine von Emilys Stärken war eine gewisse Empathie, die sie selten verließ und ihr jetzt gerade das vage Gefühl vermittelte, dass ihr Mann dabei war, sie aufs Glatteis zu führen. Die mollige Britin war sich mitnichten sicher, in welcher Beziehung das sein mochte, aber sie bekam mehr und mehr die Ahnung, dass die Überraschung kein hübsches Kleidungsstück und kein neuer Kochtopf sein würde. Nur was mochte John mit ihr vorhaben? Sie lächelte, verunsichert durch seine behutsame, durchaus sehr angenehme Art, bei der man sich als Frau mühelos geborgen fühlen konnte. "Also gut, wenn du meinst...", sagte sie zögerlich und folgte ihm. Ihre Zweifel hätten sie womöglich auch dazu gebracht, Johns Vorhaben zu durchkreuzen und sich so kategorisch wie bisher zu weigern, auch nur wieder in die Nähe einer Schusswaffe zu kommen – hätte sie die Zeit gehabt, richtig nachzudenken und sich über ihre Empfindungen klarzuwerden. So blieb es bei dem nebelhaften Gedanken, dass sie ihm zwar Vertrauen schenkte, was seine guten Absichten ihr gegenüber anging – immerhin war er ein verantwortungsbewusster Mann – doch leise Zweifel hegte, ob seine Methoden ihr behagen würden, selbst wenn er überzeugt davon war, zu ihrem besten zu handeln. Ihm kamen nämlich zwei Ablenkungen zugute, die Emilys Gedankengänge zu keinem Ende gelangen ließen: Erst einmal war da sein Blick Richtung Schuppen, synchron mit ihrem eigenen. Dass sie beide an dasselbe gedacht hatten, ließ die kleine Frau noch tiefer erröten und den Blick abwenden, um wie ein nervöses Mädchen zu kichern. Nun, das... also, DAS wäre eine Überraschung, die ihr zwar ein protestierendes "Aber John...!", entlockt hätte, doch ganz gewiss keinen Widerstand... Es war schon eine ganze Weile lang her, seit er sie über die Werkbank gelegt und... das mit ihr getan hatte. Und sie war, wenn auch fromm und anständig, eine junge, gesunde Frau mit Bedürfnissen und Sehnsüchten, die in Bälde ihr erstes Kind abstillen würde und, nun... bereit für weitere Geburten wäre. Insbesondere für deren Anbahnung... Für einen kurzen Moment empfand sie leises Bedauern, dass er zwar offenbar auch realisiert hatte, was das Wort "Überraschung" noch hätte bedeuten können, aber wohl deshalb nicht seine Pläne ändern wollte, die anders aussehen mussten. Nur wie? Die zweite Ablenkung traf sie just in dem Moment, als sie den Anflug einer beunruhigenden Idee hatte, zu fern noch, als dass sie sie hätte greifen können. Dann war schon Abe über ihnen und sprang an ihnen hoch. "Aber nicht doch, du Untier!", beschwerte sie sich, wenn auch mit einem nachsichtigen Lächeln, und suchte Abes Pfoten von ihrer tadellos gestärkten Schürze fernzuhalten, deren einwandfreier Zustand einen wichtigen Pfeiler von Emilys Hausfrauenstolz ausmachte. Ohne viel nachzudenken, griff sie nach Johns Hand und ließ sich von ihm weiter nach draußen führen, während sie mit der anderen ihre Röcke in Sicherheit brachte. Endlich ließ sich Abe dazu herab, sie freizugeben. Schmunzelnd wandte sich Emily wieder nach vorn, trat ins Freie – und stockte. "Oh...!", machte sie und begann allmählich zu begreifen, als sie den improvisierten Schießstand sah, der auf sie wartete. Leider hatte er ihre Hand bereits fest ergriffen, was ihr einen Rückzug unmöglich machte. So blieb ihr nur, nachdem der Dime gefallen war, John anzusehen und in einem halb empörten, halb bittenden Ton ihre übliche Eröffnung in solchen wie anderen Fällen vorzubringen: "Aber John...!" RE: Whispers of Gunpowder - John Clayton - 04.03.2025 Mit einem wohlwollenden Schmunzeln und einem leichten, inneren Aufatmen quittierte John seinen kleinen Erfolg, der dazu führte, dass Emily sich nicht weiter sträubte, sondern ihm folgen wollte. Er hatte keine Zweifel daran, dass es sich anders verhalten hätte, hätte er ihr gleich gesagt, um was es bei seiner Überraschung ging. So aber konnte er sie aus der Küche locken, ohne ihr Misstrauen zu regen. Dass jenes längst in seiner Ehefrau tobte, konnte John nicht erraten und weder nahm er es an ihrem vorsichtigen Gang nach draußen wahr, noch an ihrer Körperhaltung. Denn im Gegensatz zu seiner Frau war Empathie für John bestenfalls ein Fremdwort. Die kurze Verzögerung durch Abe war mit einem strengen "Nein" und "Aus" rasch wieder unter Kontrolle gebracht und der kleine Mischling rannte ihnen freudig hinter her. Offenbar begrüßte er die Abwechslung. John hatte nichts dagegen und schickte ihn auch nicht zurück zum Haus. Und selbst wenn er es gewollt hätte, ließ ihm Emily gar nicht die Zeit dazu, denn sie griff nach seiner Hand und lenkte ihn völlig von solch profanen Dingen ab. Etwas irritiert über die gezeigte, öffentliche Zuneigung - auch wenn sie nur im Garten ihres eigenen Heimes geschah - griff er ein wenig fester zu und lenkte ihre Schritte in die Richtung, die er verfolgte. Es dauerte nicht lange, bis Emily begriff was genau ihre Überraschung umfasste. Damit sie deswegen nicht sofort umkehren konnte, griff er noch etwas fester zu, damit sie ihm ihre Hand nicht entziehen konnte und jeder Fluchtgedanke sofort von ihr wieder aufgegeben werden musste. Aber an ihrem Ton hörte er deutlich ihren Widerwillen und das Entsetzen über seinen Plan. Er dagegen konnte nur tief resigniert seufzen, auch wenn er nicht wirklich mit ihrer Euphorie gerechnet hatte. "Emily," sagte er mit ein wenig mehr Strenge in der Stimme, als er noch in der Küche an den Tag gelegt hatte. "Ich weiß, dass dir jegliche Waffe ein Graus ist. Aber hier draußen musst du dich verteidigen können. Du kannst nicht jedes Mal, wenn es ernst wird, danebenschießen. Irgendwann triffst du aus versehen die falsche Stelle," deutete er vorsichtig an, was alles hätte schief gehen können. Ein Streifschuss tat weh und schmerzte und verheilte auch nicht immer optimal, aber es war doch eine harmlose Sache gegen eine Kugel in der Brust. "Du musst zielen lernen und das schießen. Das hier," er machte mit der freien Hand eine ausladende Bewegung um sie herum. "Sind nicht die feinen Straßen Bostons oder Londons. Das hier ist das Hinterland. Und ich denke nicht nur an Outlaws, sondern auch an einen Puma oder einen Wolf. Du wirst jetzt deinen Widerwillen ablegen und dir von mir zeigen lassen, wie man mit einer Waffe richtig umgeht. Und dann," fügte er schon wieder etwas sanfter hinzu. "Wirst du sehen, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn du die Waffe beherrscht und nicht umgekehrt." RE: Whispers of Gunpowder - Emily Clayton - 10.03.2025 Emily fühlte sich mit einem Mal in eine Falle gelockt, aus der es kein Entkommen gab. Johns Griff um ihre kleine Hand war unerbittlich und hielt sie an Ort und Stelle, obgleich sie nur zu gern vor dem drohenden Unheil reißaus genommen hätte. Denn so harmonisch ihr Eheleben auch in vielerlei Hinsicht verlief – nicht zuletzt dank Emilys fester Überzeugung, dass die Zweisamkeit nur funktionierte, wenn jeder von beiden seinen Platz kannte – gingen ihre Ansichten in einigen Punkten wie etwa dem Alkohol weit auseinander. Und auch das Schießen gehörte zu diesen Sandkörnern im Getriebe der claytonschen Familienmaschine. "Aber John...", wiederholte die mollige Britin bittend und stolperte gezwungenermaßen voran. Sie war eine anständige Frau in einem anständigen Städtchen – da sollte es einfach nicht nötig sein, dass sie sämtliche sittlichen Grundsätze vergaß und zu einer Waffe griff! Leider hatte John ein gewisses Argument auf seiner Seite, denn in der Tat hatte sie sich für ihn als ein Hemmschuh erwiesen, als sie von den Banditen entführt und gefangen gehalten worden war, um als Druckmittel gegen ihren Mann eingesetzt zu werden. Die kleine Frau wusste das, und selbst wenn sie Lust gehabt hätte, dagegen zu argumentieren, ihre regelmäßigen schlimmen Träume, in denen ihr die Gesetzlosen das Schlimmste antaten, was man einer Frau antun konnte, ließen sie in dieser Hinsicht meist recht kleinlaut werden. Allerdings, und hier wankte ihr Überzeugung nicht so sehr, glaubte Emily nicht daran, dass sie selbst mit einem dieser lauten, scheußlichen Schießprügel viel erreicht hätte. Außer vielleicht, von den Banditen erschossen statt entführt zu werden. Sie konnte nicht zielen, wollte es nicht lernen, war völlig unbegabt und hatte doch keinen anderen Wunsch, als ein ruhiges, friedliches Leben als Ehefrau, Mutter und Hausfrau zu führen, in dem sie, das durfte man doch wohl verlangen, vom starken Geschlecht beschützt wurde und sich nicht selbst darum kümmern musste? Schließlich verlangte sie auch nicht, dass John das Baby fütterte oder die Wäsche wusch! "Ich bin einfach nicht für so etwas... raues geschaffen", murrte sie leise und konnte das Wörtchen "unweibliches" gerade noch abbiegen. Sie hatte nämlich mittlerweile durchaus bemerkt, dass in den ehemaligen Kolonien in Bezug auf die Rolle der Frau, ebenso wie in vielerlei anderen Hinsichten, recht barbarische Positionen galten. Pumas! Wölfe! Raubtiere, wilde Bestien, die wehrlose Frauen in einer friedlichen Gemeinde bedrohten... gab es denn hierzulande kein Gesetz gegen so etwas?! Widerstrebend ließ sie sich weiterziehen, und auch das eher, weil ihr feines Gespür ihr sagte, dass in seinen Worten ein Unterton lag, der da bedeutete: Entweder sie ging mit ihm, oder er würde sie tragen wie ein trotziges Kind. Und dafür war Emily ihre Würde doch zu kostbar. "John, sieh mal, als du mir dieses fürchterliche Ding in die Hand gegeben hast, kam doch nur Unheil heraus", versuchte sie noch einmal zu appellieren, an sein Verständnis ebenso wie an seinen Wunsch, noch ein Weilchen zu leben. "Ist das denn wirklich nötig? Überhaupt, wie sollte ich denn solch ein Ding bei mir tragen? In der Schürzentasche?" Er konnte doch wohl kaum wollen, dass seine eigene Frau sich mit einem Holster samt Patronengurt öffentlich lächerlich machte...? "Es ist schrecklich schwer und laut, und es stinkt scheußlich, wenn man damit geschossen hat, und, und..." Emily suchte verzweifelt nach weiteren Gegenargumenten, die sich noch zusammenkratzen ließen. "Und es macht mir Angst. Es macht mir Angst, John", sagte sie fest. DAS war legitim, wie sie fand, und er konnte es ja wohl auch nicht einfach beiseite wischen! RE: Whispers of Gunpowder - John Clayton - 24.03.2025 "Nein, kein Aber mehr," sagte John erneut streng und in seinen Blick schlich sich leichte Verärgerung. Er hatte ja damit gerechnet, dass ihre Begeisterung begrenzt sein würde, sobald sie erfuhr, was der Plan hinter seiner Überraschung sein würde. Trotzdem war er nicht auf ihren Widerstand eingestellt, mal wieder - und hoffte zu tiefst, sein Ton würde reichen, damit Emily erkannte, dass es heute kein Entringen gab. Auch nicht, als sie versuchte, ihm zu erklären, dass sein Vorhaben nichts sei, für das seine Frau geschaffen wurde. Pah... Er verdrehte die Augen und seufzte: "Du kannst im übrigen alles lernen," besiegelte er ihr Schicksal und fegte damit ihren Einwand einfach zur Seite. "Du musst es nur wollen. Und wenn du es nicht willst, dann zwinge ich dich eben dazu." Offensichtlich begriff aber auch Emily sehr schnell, dass ihre Widerworte nichts erreichten, außer Johns Laune zu verschlechtern. Und mit der ihr vertrauten weiblichen Raffinesse, versuchte sie rasch das Ruder wieder an sich zu reißen. Leider musste John dabei zugeben, dass sie es äußerst geschickt anstellte, denn gegen den kleinen, sehr schmerzhaften Unfall mit dem Revolver in ihrer Hand gab es nichts, dass er ihr hätte entgegenstellen können. So beließ er es zunächst bei einem tiefen Seufzer und ließ ihre Hand, beim Schießstand angekommen zunächst erst einmal wieder frei. "Das mag wohl stimmen," räumte er ein, ehe ihm der rettende Gedanke kam. "Aber das konnte ja nur passieren, weil du dich bisher geweigert hast mit mir zu üben. Stell dir vor, du hättest nicht so stur nein gesagt - mein Ohr wäre noch an einem Stück." Unberührt von ihrem nicht sehr erfreuten Blick und den weiteren Argumenten gegen sein Vorhaben, griff John nach dem nicht geladenen Revolver und prüfte wie leicht sich die Trommel öffnen ließ, damit Emily Patronen einlegen konnte. Er schnappte wie erwartet gut geölt auf. John prüfte, ob wirklich keine Patrone mehr eingelegt war und ließ dann die Trommel wieder zurück schnappen, ehe er eine tief in Falten gelegte Stirn und einen äußerst gereizten Blick seiner Frau zuwandte. "Du sollst einen Revolver ja auch nicht bei dir führen, Emily, sondern nur wissen wo du im Haus einen finden würdest, sollte jemals wieder sein Einsatz von Nöten sein," er hielt ihr den Revolver am Lauf gefasst entgegen, damit sie ihn am Griff ergreifen konnte. Sie lamentierte derweil über all die Dinge, die sie an einer Schusswaffe so sehr hasste. "Noch sollst du damit jeden Tag im Haus um dich schießen," ein wenig wurde John ungehalten. "Jetzt nimm schon," drängte er Emily, die ihm gerade gestand, dass sie Angst hatte. Vor der Waffe? Vor dem Schießen? Vor dem Üben? Da blieb sie vage und John griff nach der Patronenpackung, andernfalls hätte seine mangelhafte Geduld dazu geführt, dass er unnötigerweise Emily angefahren hätte. So hielt er sich kurz beschäftigt, gab ihr und sich die Zeit, kurz über die Situation nachzudenken, eh er sich ihr wieder zuwandte. Die aufsteigende Gereiztheit spürte er dennoch: "Die einzige Angst die du im Moment haben solltest, wäre eine gesunde Portion vor deinem Mann, der langsam die Geduld mit dir verliert," er hob den Zeigefinger und zählte auf: "Du bist entführt worden!", der Mittelfinger folgte. "Verschleppt und gefangen gehalten worden," der Ringfinger ging nach oben, dann folgte der kleine: "Und du hast deinem Mann fast das Ohr abgeschossen. Reicht das als Gründe, wieso du heute mit dem Üben anfängst?" RE: Whispers of Gunpowder - Emily Clayton - 28.03.2025 "Aber... " Emily verstummte und presste die Lippen fest zusammen. Sie hatte ihre Methoden entwickelt, John mit sanfter Beharrlichkeit zu bestimmten Dingen zu veranlassen und ihn von anderen abzuhalten, ohne seine heilige Autorität als Ehemann anzufechten. Als fürchterlichste Waffe in ihrem Arsenal blieben für gewöhnlich noch Tränen, wenn er ganz und gar nicht einsichtig sein wollte. Doch hier und jetzt spürte sie regelrecht, wie sich Ungeduld und Gereiztheit in ihm aufbauten. Ihr feiner Instinkt sagte, dass sie womöglich noch über seinem Knie landen würde, wenn sie es auf die Probe ankommen ließ. Das brachte die kleine Frau in ein schweres Dilemma. Einerseits wollte sie John eine so gute Frau sein, dass er es gar nicht nötig hatte, ihr das Hinterteil zu verbläuen. Andererseits war da ihre Abneigung gegen Waffen, die sich nach dem Schockerlebnis vor den Zellen zu einer Angst ausgewachsen hatte, die sie selbst vor der Berührung der gefährlichen Dinger zurückschrecken ließ. Indem er sie zwang, sich zwischen diesen beiden Gegenständen ihres Widerwillens zu entscheiden, bereitete er der molligen Britin mehr Pein, als er wahrscheinlich ahnte. Sie wand sich vor Unbehagen, wagte aber nicht mehr direkt aufzubegehren, nachdem er selbst verkündet hatte, dass er sie notfalls zwingen würde. Nur ein leises "Mir fehlt jede Begabung – wenn du mich zwingst, wieder mit diesem furchtbaren Ding zu schießen, werde ich weiß Gott was treffen", konnte sie sich nicht verkneifen – und dachte bei sich ...oder weiß Gott wen.... Hoffentlich nicht wieder Johns Ohr oder gar noch edlere Teile! Wie eine Verurteilte vor dem Galgen sah sie ihm beim Prüfen des Revolvers zu, der zu ihrem Leidwesen keine Anstalten machte, den ihr verordneten Schießübungen irgendwelche Hindernisse in den Weg zu legen. Tückisch und unzuverlässig wie Waffen nun einmal waren, funktionierte das vermaledeite Ding tadellos! Sehr widerstrebend streckte sie die Hände aus und fasste den Revolver mit spitzen Fingern am Griffstück. Ihr Blick hätte nicht mehr Abscheu zum Ausdruck bringen können, hätte sie auf einem ihrer Häkeldeckchen eine fette Kröte vorgefunden. "Er ist so schwer", maulte sie wie ein unzufriedenes Kind gerade an der Hörgrenze ihres Mannes und ließ die Waffe, die in ihren kleinen Händen tatsächlich beeindruckend groß wirkte, demonstrativ beinahe fallen. Schwer, kalt und hart – wie ein Stein! Emily verzog die Lippen zu einem Schmollmund und besah sich das verhasste Ding missmutig. Ihr Blick ging dabei jedes Mal um ein Stückchen nach unten, während John ihr die Situationen aufzählte, in denen sie in Schwierigkeiten geraten war. Die kleine Britin war alles andere als sicher, dass es etwas daran geändert hätte, ob sie nun einen Revolver in ihren Händen gehabt hätte oder nicht – höchstens vielleicht im letzten Fall, und da wäre eine unbewaffnete Emily entschieden gesünder für John gewesen. Doch sein Ton war derart endgültig, dass sie keine Entgegnung riskierte. Nur einen vorsichtigen Blick durch die Wimpern nach oben, ohne den Kopf zu heben. Oh, oh: Er sah wirklich entschlossen aus. Ob sie dieses Mal Tränen noch retten könnten? Sie zögerte, denn wenn sich dieses Mittel einmal als unwirksam erwies, würde er es in der Zukunft womöglich immer ignorieren, und sie wäre eine wichtige Einflussmöglichkeit auf seine souveränen Entscheidungen als unbestrittenes und alleiniges Familienoberhaupt los, die ihr doch als braver, pflichtbewusster Ehefrau zustand... RE: Whispers of Gunpowder - Sophie Garner - 24.04.2025 Sophie war überrascht als sie ins Haus kam und gähnende Leere vorfand. Das Geschäft in der Wäscherei lief zwar stetig, aber langsam an, so dass es immer noch Tage gab, an denen die Arbeit schon am frühen Nachmittag erledigt war und sie früher als erwartet heimkam. Es war nur ein kleiner Betrieb, aber er wurde in ausschließlich weiblicher Hand geführt und das erfüllte sie ein klein wenig mit Stolz. Da sie dank dem Laden ihrer Eltern ein wenig Ahnung von Buchhaltung besaß, führte Sophie derzeit auch gemeinsam mit Miss Whitby die Geschäftsbücher, aber die hatte sie heute einfach mit nach Hause genommen. Nach dem Abendessen würde sich schon Zeit finden, noch einmal hinein zu sehen. Jetzt wollte sie sich einfach nur für ein Paar Minuten setzen und warten, bis ihr Schultern und Arme aufhörten, weh zu tun. Sie hatte allerdings nicht damit gerechnet, ein verlassenes Haus vorzufinden. Sie fand John Junior zwar in seiner Wiege, aber seine Mutter sah sich wohl nicht genötigt, ein Auge auf ihn zu haben, falls er aufwachte. Sophie seufzte innerlich. Wenn er jetzt schlief, würde er nachts wieder wach sein und krakeelen. Seine Mutter war zwar noch jung und steckte es gut weg, ein halbes Dutzend Mal in der Nacht aufzustehen, aber sie selbst durchlebte in der Dunkelheit der Nacht oft Ängste, die alle Thunders Gesicht trugen. Da war es wenig hilfreich, wenn schrilles Geheul aus dem Nachbarzimmer sie hochschrecken ließ. Kopfschüttelnd ging sie in die Küche, um dort nachzusehen, ob die Vorbereitungen für das Abendessen liefen, fand aber auch dort niemanden vor, auch wenn dort bereits Zutaten sowie Stopfzeug zurecht gelegt worden waren. Verwirrt musterte Sophie die Szenerie, doch dann bemerkte sie, dass die Tür hinaus in den Garten nur angelehnt war und hörte Stimmen von draußen. Sie steckte den Kopf durch die Tür hinaus, um ihre Rückkehr mitzuteilen, hielt dann aber bei dem Anblick, der sich ihr bot inne. Das Ehepaar stand draußen beisammen und Mrs Clayton hielt einen Revolver in der Hand. Das war erstaunlich genug, ergab aber Sinn, als Sophie weiter hinten den provisorischen Schießstand erspähte. Sie hatte natürlich das Theater um Johns Verwundung mitbekommen, sich aber eisern versagt, einen Hauch ihrer inneren hämischen Schadenfreude zu zeigen, dass Mr. Clayton eine Freizeitbeschäftigung daraus machte, sich reihenweise von harmlosen Familienmitgliedern anschießen zu lassen, schöner Sheriff, der er war. Erst Eli, dann sie selbst und jetzt Emily. Es ließ ihr Vertrauen in seine Fähigkeiten noch weiter sinken. Wobei ihr dafür ein Vorwand ausreichte und sie keinen handfesten Grund benötigte. Heute allerdings hatte er wohl ausnahmsweise einmal seinen Verstand beisammen. Kurzentschlossen trat Sophie nach draußen und räusperte sich vernehmbar, um ihre Ankunft bemerkbar zu machen. „Geben Sie eine Unterrichtsstunde im Schusswaffengebrauch, Sir?“, fragte sie dann in jenem besonders freundlichen Tonfall, der für ihren Schwiegervater reserviert war. „Aber warum haben Sie denn nicht auf Cassidy und mich gewartet? So klug von Ihnen! Wenn wir alle wissen, wie man mit so einer Waffe umgeht, dann kommt es auch nicht mehr zu Unfällen und wir könnten uns verteidigen, wenn wir von einem Mann bedroht würden.“ Sie lächelte ihm zu wie eine Mutter, deren Sprössling endlich einen längst überfälligen Entwicklungsschritt gemeistert hatte. Beseelt von der überaus schönen Aussicht mit so einem Revolver in der Hand jedem einfach eine Kugel verpassen zu können, egal wie überlegen seine Körperkraft auch sein mochte, trat sie näher, stellte sich artig hinter Mrs Clayton und reihte sich mit der größten Selbstverständlichkeit in die Reihe seiner Schülerinnen ein. Um noch zusätzlich zu verdeutlichen, wie unglaublich sinnvoll sie seine Anwandlungen hielt, hielt sie ihm dann zum Zeichen ihres Lerneifers die Hand entgegen, damit er auch ihr bitteschön eine Waffe in die Hand drückte. RE: Whispers of Gunpowder - John Clayton - 02.05.2025 Aber? John hob eine Braue. Nicht fragend, nicht skeptisch, sondern eindeutig ungehalten. Es gab kein Aber. In diesem Fall nicht mehr. Er hatte das letzte Wort gesprochen, er hatte eine Entscheidung gefällt und auch wenn er im Großen und Ganzen Emily jegliche Entscheidungsfreiheit ließ, die sie für sich, ihr Leben und ihren Alltag benötigte, gab es Dinge, die er letztendlich für sie, für sie beide, zum Wohl der ganzen Familie, entschied. Nicht auszudenken, wenn er eines Tages wieder einen Gegner vor sich hatte, der wie Thunder oder dieser Horation Jones auf Rache sinnte und sich Zugang in sein Heim verschaffte. Nicht auszudenken, wenn seiner Familie etwas zustieße und sich John selbst die Schuld geben musste, weil er versäumt hatte seiner Frau das Schießen und die Selbstverteidigung beizubringen. Da Emily nichts weiter ihrem Aber hinzufügte, schwieg auch John und nahm aus ihrem Schweigen ihre Zustimmung entgegen. Zumal er sie schon hatte wissen lassen, dass er sie zur Not auch zwingen würde. Wie, wusste er in diesem Moment selbst nicht, denn wenn sie die Waffe nicht abfeuern würde, konnte er es kaum für sie tun. Der Lerneffekt wäre in diesem Fall gleich Null. Aber alleine, dass Emily nicht weiter widersprach, war ihm ein gutes Zeichen. Natürlich versuchte sie neue Argumente gegen sein Vorhaben vorzubringen, die er aber nicht als Widerstand einstufte, sondern als gesunder Menschenverstand. Sie wusste selbst ganz genau, wie furchtbar schlecht sie mit einer Waffe in der Hand umging. In diesem Fall entlockte sie John ein Schmunzeln und er schüttelte leicht mit dem Kopf. "Gewiss, darum stehe ich auch direkt hinter dir, und helfe dir beim Zielen üben. Das ist leichter als du denkst. Und in ein paar Wochen wirst du dich darüber wundern, wieso du jemals daneben geschossen hast." Und weil John am eigenen Leib zu spüren bekommen hatte, wie unkontrolliert Emily eine Waffe führte, wusste er auch ganz genau auf was er sich heute Abend einließ. Niemand in Camden Village lief heute Gefahr, beim Gang auf das Toilettenhäuschen oder beim Spazierengehen getroffen zu werden. Er war ja nicht fahrlässig. Er hatte jeden Schritt genausten geplant. Während Emily weiter zu maulen versuchte, wie schwer die Waffe wäre, wanderte sie Braue jedoch wieder in die Höhe. Allerdings lag ein amüsierte Zug um seine Mundwinkel. "Die Waffe ist nicht schwerer, als dein gusseiserner Topf oder die große Pfanne, oder das schwer Glätteisen. Also hör auf zu meckern und stell dir einfach vor, du nimmst den heißen Topf vom Herd herunter und willst ihn sicher auf den Untersetzer abstellen. Mehr ist es nicht," sagte er gefasst ruhig und trat hinter Emily - ganz wie versprochen. "Heb ihn mit beiden Händen," schlug er vor. "Nimm ihn rechts in die Höhe und lege deine Linke unterstützend darunter. Als würdest du ihn auf ein Brett stützen." Sein rechter Arm ging hinter Emily in ihrer Bewegung mit, um sie ein wenig zu lenken und zu führen. Vor allem wollte er ihr beim Abfeuern den nötigen Halt geben. Der Rückstoß seines Colts war zwar nicht groß, nicht so heftig wie bei seiner Winchester, aber für eine ungeübte Schützin, die Emily nun einmal war, würde es reichen, um den Lauf ein wenig nach oben zu verreißen. Über das Zwitschern der Vögel und dem Zirpen der Grillen, dem Rascheln von Abe in ihrer Nähe, hörte John Schritte, noch ehe er das Räuspern hörte. Da sein Haus durch Cassidy und Sophie eher einem Haus der offenen Tür gleich, sah er nur wenig alarmiert über die Schulter und entdeckte Sophie, die in ihre Richtung kam. Kaum im hinteren Teil des Gartens und beim Brunnen angekommen, stellte Sophie die naheliegendste Frage, garniert mit besserwisserischen Worten, die John fast dazu verleitet hätte so etwas kindisches zu erwidern wie "Nein, wir backen einen Kuchen". Stattdessen bedachte er Sophie mit einem knappen, unaufgeregten Blick, ehe er sich wieder auf Emily konzentrierte, besorgt, sie könnte ohne seine Aufmerksamkeit wieder Schindluder mit der Waffe treiben. "Cassidy kann schießen, seit wir in den Westen gezogen sind. Falls sie dir das verheimlicht hat, musst du dich bei ihr beschweren. "Und über deine Treffsicherheit, kann wohl weder ich noch du meckern," ließ er sie mit zynischem Unterton und in Erinnerung an die Kugel in seiner Hüfte wissen. |