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HAUS CLAYTON Whispers of Gunpowder - Druckversion +- (https://buffymagazin.de/CamdenVillage) +-- Forum: INPLAY (https://buffymagazin.de/CamdenVillage/forumdisplay.php?fid=10) +--- Forum: THE VILLAGE (https://buffymagazin.de/CamdenVillage/forumdisplay.php?fid=11) +---- Forum: RICHARD-CAMDEN-STREET (https://buffymagazin.de/CamdenVillage/forumdisplay.php?fid=43) +---- Thema: HAUS CLAYTON Whispers of Gunpowder (/showthread.php?tid=2942) |
RE: Whispers of Gunpowder - Emily Clayton - 11.05.2025 Die Angelegenheit ließ sich nicht nur nicht mehr abwenden, sie versprach sich auch noch als peinsamer zu erweisen denn ohnehin schon befürchtet: Just als Emily die verhasste Waffe notgedrungen unter Johns strengem Blick hatte aufnehmen müssen, erschien auch noch Sophie, als hätte ein böswilliger Regisseur sie ins Drehbuch eines Stückes aufgenommen, das einzig und allein dazu diente, eine anständige und brave Frau der Lächerlichkeit preiszugeben! Die mollige Britin widerstand nur mühsam dem Drang, den Revolver hinter dem Rücken zu verstecken wie ein kleines Kind, das beim Naschen von verbotenen Bonbons erwischt wird. Dafür lief sie aber tomatenrot an, als das Mädchen hinter sie trat und ihren Mann in einem derart übertrieben höflichen Ton anflötete, dass man keine riesige Empathie brauchte, um zwischen den Zeilen zu lesen. Ganz abgesehen von dem Blick, den sie John schenkte und der einen entschieden vorlauten Charakter hatte, wie Emily fand. Sie selbst hingegen hätte wer weiß was für ein Schlupfloch gegeben, durch das sie ihrem unerbittlichen Ehemann noch einmal hätte entschlüpfen können. Leichter als sie dachte – nicht schwerer als ihre Pfanne! Männer hatten wirklich manchmal ein Talent zur Untertreibung, das einen zur Verzweiflung bringen konnte. "Es hat doch keinen Sinn, John", jammerte sie leise, während sie widerstrebend gehorchte und den Revolver anhob. Hatte sie eine Wahl? Er führte ihr ja mehr oder minder die Hand. "Für so etwas habe ich kein Talent", behauptete sie, ihre kleinlauten Proteste in der schwachen Hoffnung fortsetzend, dass er sich doch noch erweichen ließe. Oh, was war das nur für ein Land, in dem man von einer Frau erwartete, sich mit einem dieser furchtbaren Schießapparate selbst zu verteidigen?! Nicht zum ersten Mal träumte sie davon, mit John und den Kindern in ihre Heimat überzusiedeln. Dort würde sie mit Waffen nicht in Berührung kommen, und er hätte so etwas auch nicht nötig: Dort hatte ein Mann wie John Diener, die man bewaffnen, und eine Polizei, die man zur Verhaftung gemeiner Verbrecher herbeirufen konnte – Zivilisation nannte sich das. Doch leider war sie hier in den ehemaligen Kolonien unter Wilden, die noch gewohnt waren, ihre Angelegenheiten persönlich auszuschießen, statt vor Gericht zu gehen wie ein anständiger Christenmensch. Ach, wilde Tiere, Räuber, Mörder... dieses Land bot wirklich alles, um einen früh ins Grab zu bringen! Während ihr Mann Sophie eine recht harsche Abfuhr erteilte, wünschte sich Emily stumm, ihre Stelle mit der des Mädchens tauschen zu können, wobei sie den Revolver wie von ihm angeordnet vor sich hielt und sich unendlich lächerlich vorkam. "Und jetzt?", wagte sie einzuwerfen, vielleicht angesichts ihres Widerwillens etwas spitzer als beabsichtigt. "Dieses Ding ist wirklich furchtbar schwer, John. Und meine Pfanne halte ich auch nicht ewig vor mir ausgestreckt." Oh, oh... ja, da war ihre schlechte Laune wohl etwas mit ihr durchgegangen. Sie wollte ihn schließlich gnädig stimmen, nicht reizen! "Ich hab' schreckliche Angst, dass wieder etwas schlimmes passiert", fügte sie hinzu und versuchte es wieder mit einem flehentlichen Ton. Sophies Anwesenheit hin oder her: Sie wusste doch, alle wussten doch, dass sie mit diesen Dingern nicht umgehen konnte...! RE: Whispers of Gunpowder - Sophie Garner - 04.06.2025 Es war ein bisschen lustig, mit anzusehen, wie der große starke Mr. Clayton milde alarmiert wirkte und Mrs. Clayton im Gesicht rot anlief, als hätte man sie ertappt. Sophie ließ sich aber nichts anmerken, sondern behielt eisern das Lächeln im Gesicht als wäre es aufgeklebt. Sie hatte nicht viele Waffen im Arsenal aber eiskalte Freundlichkeit konnte sie. Nur zu gerne hätte sie auch so wie Mrs. Clayton eine echte Waffe in der Hand, mit der sie zumindest die theorethische Macht hätte, Löcher in jeden zu schießen, der ihr dumm kam. Mr. Clayton zum Beispiel, der gerade ein hervorragendes Beispiel für dumm kommen, abgab. Sophie rollte innerlich die Augen, warf ihm einen verächtlichen Blick zu, lächelte aber weiter liebreizend. „Ich weiß, dass Cassidy das kann. Sie hat es sehr überzeugend bewiesen, als sie einen Verbrecher über den Haufen geschossen hat“, erinnerte sie ihn freundlich, denn offensichtlich war es auf seine alten Tage nicht mehr so gut um sein Erinnerungsvermögen bestellt. Oder vielleicht hatte er sich die Geschichte inzwischen im Kopf so zurecht gebogen, dass er der eigentliche Held bei dieser speziellen Begebenheit gewesen wäre. „Aber ich dachte, Übung kann auch hier nicht schaden. Aber bestimmt sehe ich das alles völlig falsch, ich verstehe ja gar nichts davon.“ Sie räumte ihm großzügig die Chance ein, die Weisheit ihrer Worte zu erkennen, denn auch seine Tochter war keine Revolverheldin und hätte bestimmt ein paar Schussübungen vertragen können, ganz abgesehen von seiner Schwiegertochter. Leider nutzte er die Gelegenheit, um sich schwungvoll mit dem Hintern in die Nesseln zu setzen. Typisch. Es wurde langsam schwierig, keine Miene zu verziehen. Er mochte sich inzwischen daran erinnern, dass Sophie ihn angeschossen hatte, aber seine Frau war immer noch wunderbar ahnungslos und niemand hatte ein Interesse, das zu ändern. „Sie meinen, die beiden Banditen, die Cassidy und mich überfallen haben? Das stimmt wohl, hätte ich mehr darüber gewusst, wie man mit einer Waffe schießt, dann hätte ich Ihnen helfen können!“, erinnerte sie ihn freundlich daran, dass es hier eine Lügengeschichte aufrecht zu halten gab. „Aber nächstes Mal haben wir vielleicht nicht so viel Glück und Sie sind in der Nähe. Was ist, wenn dann nur ein Mann da ist, der alt ist und schwache Augen hat, so dass er gar nicht mehr schießen kann?“ Weil er zu eitel ist, seine Brille anzuziehen, zum Beispiel. „Oder zu betrunken, um uns zu schützen. So ein Trunkenbold wäre wohl kaum von Nutzen in so einer Situation, finden Sie nicht auch, Mrs. Clayton?“ Emily war schließlich auch sehr lautstark gegen die Trinkerei ihres Mannes, wäre spannend, zu erfahren, ob sie nun gegen ihre Überzeugungen zu ihrem Mann stand oder mal ein bisschen Rückrat bewies. Da sie wohl keine Waffe mehr bekommen würde, räusperte sich Sophie und strich ihre Röcke glatt. „Aber ich sehe schon, dass ich störe. Ich werde dann mal nach drinnen gehen und unser Abendessen zubereiten. Bei Gelegenheit werde ich dann Cassidy um Übungsstunden bitten.“ Und wenn sie „bitten“ sagte, dann meinte sie damit „vehement einfordern“. Mit einem huldvollen Nicken wandte sie sich zum Gehen, rief aber an der Tür noch über den Rücken. „Ich glaube übrigens, Ihr Sohn wacht gerade auf. Wahrscheinlich hat er Hunger.“ Damit war ja wohl klar, dass sich nicht Sophie darum kümmern konnte und so verschwand sie lautlos wieder in die Küche. Abgang Sophie RE: Whispers of Gunpowder - John Clayton - 16.06.2025 "Es hat sehr viel Sinn," fauchte John ungeduldig, von Sophies Unterton angestachelt und in seiner bis dahin guten Laune empfindlich gestört. Dass er dies an Emily ausließ war nicht fair, aber es war auch nicht fair, dass Emily so tat, als verlangte er von ihr in Hosen auf die Straße zu gehen. Das Jammern und Betteln war kontraproduktiv und ihre schlechte Waffenführung könnte ihm eines Tages das Leben kosten. Das hatte sie ihm ja bereits in der Gefängniszelle sehr eindrücklich demonstriert. So viel zum Thema Talent. Sie musste auch sicher nicht auf eine gewisse Entfernung hin ins Schwarze treffen. Aber zumindest das Ziel überhaupt treffen. Und das war reine Übungssache. Es half ihnen beiden nicht, dass auch Emilys Laune inzwischen sehr gelitten hatte und ihre Widerworte - besser gesagt ihr Widerstand -zunahmen. Er seufzte schwer und warf Sophie einen bösen Blick zu, während er zu Emily mit mäßiger Beherrschung sprach: "Wenn du genau das tust, was ich dir sage, wird nichts schlimmes passieren. Und das mit den Pfannen ist eine hervorragende Idee. Vielleicht sollte ich dich die Pfannen ausgestreckt halten lassen, damit dir das Gewicht der Waffen leicht und verspielt vorkommt? Jedes Mal dann, wenn du mir widersprichst oder nicht das Ziel triffst!" Und damit hatte er ein Machtwort gesprochen. Zumindest für seine Frau. Sophie hielt es damit anders. Natürlich wusste sie auf alles, was er zu sagen gehabt hatte, etwas zu erwidern. Und das setzte Johns schlechter Laune noch mehr zu. Er beließ es bei einem vielsagenden Blick, als sie Thunder indirekt erwähnte und sich langsam fragen musste, was Sophie eigentlich mit ihren Worten zu bezwecken versuchte. Was er mit seiner Frau auf seinem Grund und Boden anstellte, ging sie ja nichts an. Nicht wirklich. Zumal sie auch nichts verbotenes taten. Im Gegenteil. John sorgte dafür, dass es in diesem Haus niemals zu einem Unfall mit einer Waffe kommen würde. In ein paar Jahren war Timothy an Emilys Position und irgendwann sein eigener Erbe. War Sophie neidisch? Wollte sie auch das Schießen erlenen? Oder machte sie sich nur lustig über John und Emily, wie so oft? Es war schließlich kein Geheimnis mehr, dass Sophie eine gewisse Abneigung gegen ihn hegte und das nicht erst seit er dazugekommen war, wie die Mädchen gemeinsam im Badezuber.... John mochte an diesen Moment gar nicht erst mehr denken müssen. Es war so verstörend gewesen. Und dann immer wieder diese falschen Erinnerung an jenen Abend und an die Tage danach - als er Cassidy und Sophie nachgeritten war. Vieles von dem was er wusste, stimmte nicht mit dem überein an das er sich langsam wieder zu erinnern begann. In seinen Träumen vermischte sich dazu auch noch vieles. Albtraum mit der Realität und umgekehrt. Mal schossen Banditen auf Cassidy, dann Cassidy auf Sophie, Sophie auf ihn und dann stand er wieder einem Outlaw gegenüber. Dass er sich nicht wirklich gut erinnern konnte, half ihm bei der Wahrheitsfindung nicht immer weiter. Und immer wenn er glaubte, sich richtig zu erinnern, waren Sophie und Cassidy sehr bemüht darum, ihn daran zu erinnern, dass es Banditen gewesen waren, die er verscheucht hatte und die dann auf ihn geschossen hatten. Nur dass er sich an die Banditen beim besten Willen nicht mehr erinnern konnte. Doch er war weit davon entfernt seiner Tochter und Sophie eine Lüge diesen Ausmaßes zu zutrauen. Deswegen verzog er auch jetzt nur irritiert die Stirn kraus und fuhr sich mit einer Hand in den Nacken. "Mir war eben so...," fing er nachdenklich an, als er sich rechtfertigen wollte. Die Worte zu dem Schuss waren wie selbstverständlich gekommen. Wie eine richtige Erinnerung. Doch Sophie wusste es gewiss besser als er, der so lange Stunden, gar Tage in einer Ohnmacht dagelegen hatte. Er musste an sich zweifeln, nicht an Sophies Korrektur. "Aber sicher. Die Banditen," murmelte er und als Sophie dann auch noch völlig grundlos passiv-aggressiv fortfuhr ihn anzugreifen, beschloss John sich einfach nicht weiter mehr mit ihr zu befassen. Sie lebte auf seinen Kosten in diesem Haus, weil sie zu Hause unerwünscht war. Oder besser gesagt, weil sie nicht nach Hause gehen wollte, wegen Cassidy. Seiner Tochter zu liebe, ließ er sie unter seinem Dach wohnen, auch wenn dieser Moment im Badezuber... Er wäre Grund genug Sophie auf die Straße zu werfen. Und für einen Gast in seinem Haus, der für seine Unterkunft und drei Mahlzeiten am Tag nichts weiter tun musste, als Emily unter die Arme zu greifen, gehörte sich ein solcher Ton nicht. Doch ihre Worte verfehlten nicht ihren Zweck - sie kitzelten an Johns Jähzorn, den er seit Wochen durchaus erfolgreich im Griff gehalten hatte. "Vielleicht ist es besser, wenn du demnächst nach einer neuen Unterkunft suchst," war jedoch zunächst alles was John relativ ruhig auf das merkwürdige Verhalten der Freundin seiner Tochter zu erwidern hatte. Dass sie einfach ging, ohne den beiden die Zeit zum Reagieren einzuräumen, war dann allerdings der berühmte Tropfen zu viel - sein Fass lief über: "Hörst du," rief er ihr hinter her, als sie sich wieder der Hintertür näherte. "Das ist mein letztes Wort für heute. Und ich nehme es auch nicht zurück! In meinem Haus redet niemand so mit mir. Niemand!" RE: Whispers of Gunpowder - Emily Clayton - 22.06.2025 Eingeschüchtert zog Emily den Kopf ein. Die kleine Frau kannte ihren John mittlerweile gut genug, um in den meisten Alltagsdiskussionen die Oberhand zu behalten – auch wenn sie natürlich stets darauf bestand, dass ihm als Familienoberhaupt sämtliche Entscheidungen zustanden. Nach Anhörung ihrer fundierten Meinung nämlich. Wenn er aber diesen Ton anschlug, war er kurz davor, den Spieß umzudrehen und der Sache mit dem Familienoberhaupt wortwörtliche Bedeutung beizumessen. Dann schwieg die kluge Ehefrau lieber, selbst wenn sie wirklich besser wusste, was gut gewesen wäre. Sie stand ein Schrittchen vor jener unsichtbaren Grenze, die zwischen einem stillen Triumph auf ihren Lippen und einer lauten Abreibung auf ihrem Hinterteil unterschied... Daher sah sie voller Entsetzen, dass Sophie es mit ihrer, nun, irgendwie unterschwellig frechen Art schaffte, John noch ein bisschen weiter auf die Demarkationslinie zuzusteuern – um Emily dann mit ihrem wutschnaubenden Gatten allein zu lassen. "Sie... Sie hat's bestimmt nicht so gemeint. Du weißt ja, junge Mädchen reden viel daher, ohne nachzudenken", versuchte sie John mehr mit einem besänftigenden Tonfall als mit sinnvollen Äußerungen ein wenig zu beruhigen. Die angedrohten Strafen für weitere Widersprüche standen ihr allzu deutlich vor Augen, und ihr Gefühl sagte, dass selbst Tränen an dieser Stelle nicht mehr weiterhelfen würde. Weswegen sie sich sich um Deeskalation bemühte und mit einem gezwungenen Lächeln fragte: "Ha-halte ich ihn so richtig, ja?" Dabei hob sie den Revolver, der sie höhnisch anzufunkeln schien, wie ein Schüler, der den Lehrer mit demonstrativem Lerneifer gnädig stimmen will. Mit einem harten Schlucken sah sie Sophie nach, enthielt sich aber jedes Kommentars über Johns Entscheidung, dem Mädchen die Tür zu weisen. Im Moment war sich wohl jede selbst die nächste, denn Emily hatte keine Lust, Johns Gürtel zu spüren zu bekommen, und Sophie vermutlich ebenso wenig. Insofern waren sie wohl in ähnlichen Situationen. Blieb allerdings noch der kleine, aber gewichtige Unterschied, dass sie Emily, hier stand und die Androhung vor Augen hatte, für jeden Widerspruch bestraft zu werden – nun, ihr Mundwerk würde sie wohl angesichts solcher Aussichten im Zaum halten müssen – und für Fehlschüsse ebenfalls. Was der sehr viel gemeinere Teil des ganzen war. "I-ich will mich ja bemühen, wenn du wirklich meinst, dass es, äh, dass es nötig ist", beeilte sie sich zu versichern. "Nur, John... was, wenn ich nicht treffe, obwohl ich mich ehrlich darum bemühe...?" Sie presste die Lippen zusammen. Er konnte doch nicht von ihr erwarten, dass sie traf? Das wäre unfair! Frauen konnten nun mal nicht schießen, weil sie nicht dafür geschaffen waren, so lautete ihre feste und unumstößliche Meinung. Er könnte sie demütigen mit der Forderung, sie solle Hosen tragen – aber das würde nichts daran ändern, dass sie eine Frau bliebe. Und er konnte ihr befehlen, zu schießen, was er hiermit getan hatte – aber zu treffen?! Man befahl doch auch einem Fisch nicht, auf Bäume zu klettern! Ihre Miene lag irgendwo zwischen verzweifeltem Flehen und stummem Vorwurf. RE: Whispers of Gunpowder - John Clayton - 29.06.2025 John blinzelte noch immer etwas nervös Sophie hinter her - beim Versuch nicht zu explodieren, während Emily bereits bemüht darum war Schadensbegrenzung zu betreiben. Johns Blick fiel daher ungehalten auf seine Frau hinab und er biss die Zähne so ferst aufeinander, dass seine Wangenknochen hervortraten. Es wäre alles andere nur nicht fair, seine aufkochende Wut an Emily auszulassen. Sie konnte ja nichts dafür, dass Sophie wie auch Cassidy immer öfters den Aufstand probten und damit John mehr oder minder täglich zur Weißglut trieben. Im Grunde wusste er ja, dass es so sein musste. Kinder blieben eben nicht für den Rest ihres Lebens Kinder, die unselbständig auf die Hilfe von Erwachsenen angewiesen waren. Sie wurden älter, sie wurden erwachsen und entwickelten ihren eigenen Kopf. Junge Töchter gab man aus gewissen Gründen in die Obhut eines Ehemannes, der für sie so gut sorgen konnte oder würde, wie es der eigene Vater getan hatte. Diesem Weltbild folgte John allerdings nicht. Für eine gewisse, feine, kleine Korrektur hatte seine erste Ehefrau gesorgt und seine eigenen Vorlieben für eine Frau an seiner Seite, die stark und klug ihr Leben auch ohne ihn gut meisten könnte. Emily tat zwar immer so, als hinge ihr ganzes Glück von John ab, aber er wusste sehr wohl, dass sie ihn längst perfekt im Griff hatte und ihn mehr lenkte, als umgekehrt und er ließ es geschehen, weil er nichts dagegen hatte. Warum auch? Er sah auch für Cassidy ein ähnliches Leben in Freiheit vor, doch Sophie fiel soweit nicht in seine Zuständigkeit und Verantwortung. Er hatte ihren Eltern versprochen auf sie aufzupassen, und das tat er - und das schloss wohl auch aus, sie vor die Tür zu setzen, nur weil sie frech geworden war. "Da wäre ich mir nicht so sicher," knurrte er durch die Zähne gepresst. "Bei dem Punkt ohne nachzudenken gebe ich dir allerdings wieder recht," sagte er schon wieder beherrschter, aber frei von jedem Spaß im Unterton. Er seufzte tief und schwer und ließ sich bereitwillig von Emily von diesen Gedanken ablenken, als sie nach dem richtigen Halt der Waffe fragte. Es war besser sich wieder auf die Übungsstunde zu konzentrieren. Er besah sich kurz ihre Körperhaltung und den Winkel des Laufes, ehe er mit einem Schmunzeln wieder dichter hinter sie trat und um sie herumfasst, um ihre Arme etwas weiter nach oben zu drücken. "Jetzt, jetzt hältst du den Colt richtig. Noch etwas nach links, dann zielst du auch auf die Flaschen. Und ja, ich halte es für nötig. Darüber brauchen wir erst gar nicht noch einmal zu diskutieren anzufangen." Er neigte ein wenig den Kopf über ihre Schulter und kniff ein Auge zusammen, um zu prüfen wie gut sie gerade mit dem Colt zielte. "Du wirst schon treffen. Nicht gleich heute, aber in den nächsten Tagen. Dafür sorge ich schon. So, jetzt ziehst du mit dem Daumen ganz langsam den Hahn zurück, um die Waffe zu spannen. Aber warte. Lege als erstes deinen Zeigefinger neben den Abzug an die Waffe, damit du nicht aus versehen abdrückst." RE: Whispers of Gunpowder - Emily Clayton - 05.07.2025 Emily konnte zwar keine Gedanken lesen, aber sie kannte ihren Mann mittlerweile gut genug, um zu spüren, wie dicht er davor war, zu explodieren. Das war seit ihrer Eheschließung Gott sei Dank kaum je passiert. Aber wenn... "Ja doch, Lieber", redete sie leise auf ihn ein, "lass dich doch nicht provozieren!" Ein bittender Unterton der harmoniesüchtigen kleinen Britin mochte ihm verdeutlichen, dass sie nicht viel weiter davon entfernt war, den halben Garten tränentechnisch unter Wasser zu setzen, als er von einem Tobsuchtsanfall. Stets bemühte sie sich um Ausgleich, darum, es allen recht zu machen und für die Familie ein behagliches Nest zu schaffen – das Nest, das sie selbst sich immer gewünscht, aber nie gehabt hatte. Es war eine herbe Erkenntnis für die mollige Ex-Haushälterin, dass nicht alle Mitglieder des claytonschen Haushalts ihr Bedürfnis nach Frieden und Eintracht zu teilen schienen. Und es brachte sie immer wieder schier zur Verzweiflung, wie Streit pilzgleich aus dem Boden schoss, all ihren Versuchen zum Trotz. Immerhin sah sie eine Möglichkeit, John zu besänftigen, indem sie ihren Widerstand gegen die ihrer Meinung nach unnötige und unweibliche Schießerei vorerst aufgab. Das war stets der letzte Ausweg: Wenn sonst nichts fruchtete, konnte man einen Streit verhindern, indem man einfach nachgab. Das hatte nur den einen Nachteil, dass man mit den Folgen leben musste... Mit einem entsagungsvollen Seufzer hob sie den verhassten Revolver und ließ sich von John in die richtige Haltung einweisen. Ein wenig missmutig stellte sie fest, dass die Waffe vielleicht nicht mehr als ihre Bratpfanne wiegen mochte, es aber einen gewaltigen Unterschied machte, ob man so einen schweren Gegenstand einfach nur vom Herd zum Esstisch trug oder ob man ihn nach Möglichkeit ohne zu zittern vor sich halten musste. Gott – für einen Mann von Johns Größe konnte das machbar sein, aber sie?! Emily war, gemessen an ihrer Figur, ein kleines Kraftpaket, gestählt von endloser Hausarbeit. Ein Putzlappen und ein Revolver waren doch noch immer ein Unterschied. Ein recht spürbarer sogar. Dennoch gab sie sich alle Mühe, spähte sogar über den Lauf der Waffe, als sei sie wirklich daran interessiert, damit etwas zu treffen. Tatsächlich waren nach Johns Korrekturen die Flaschen direkt voraus zu sehen. Einen Moment lang. Dann wanderten sie nach links aus, und als Emily hastig zu korrigieren versuchte, schwenkten ihre leise zitternden Unterarme zu weit, und das Ziel war rechter Hand gesprungen. Sie keuchte frustriert, zog nach einigem Überlegen den Zeigefinger gehorsam vom Abzug und zog an dem Hahn. Hebel. Hebel...? Hahn! "Gott, John... wie macht man es denn, dass das verflixte Ding nicht dauernd hin und her schwenkt?", murrte sie leise. Warum musste Schießen bloß so kompliziert sein? Mannsleute waren doch so schlau, wenn es um technische Dinge ging – wieso war noch keiner auf den simplen Gedanken gekommen, einen Schießapparat zu bauen, der einfach traf?! Stattdessen der mühselige und ermüdende Umweg mit dem Zielen: Wenn Emily ihren Haushalt so führen würde, wie die Herren der Schöpfung Waffen entwarfen, es hätte garantiert nie jemand eine anständige Mahlzeit oder ein ordentlich gebügeltes Hemd zu Gesicht bekommen! RE: Whispers of Gunpowder - John Clayton - 17.07.2025 John hörte kaum auf die Worte seiner Frau, dafür war er viel zu sehr aufgebracht und fragte sich zum ersten Mal, ob sein Vater in all den Jahren nicht doch recht behalten hatte - Kinder waren nur mit klarer Disziplin, eindeutigen Regeln und Führung zu erziehen. Doch den Gedanken gab er schnell wieder auf - hätte sein alter Herr Recht, wäre aus seinen Brüdern und ihm alle samt etwas geworden. Die Familie Clayton war... nun... kein Erfolg seines Vaters. Trotzdem verspürte er eine Welle des Versagens, dass sich Cassidy ausgerechnet mit so einem frechen Wesen umgab und selbst davon ziemlich viel übernommen hatte. Oder war es umgekehrt? Eine Frage, die John jetzt auf gar keinen Fall erörtern wollte und deswegen gab er mehr aus Resignation ein zustimmendes Brummen von sich, als eines, das bezeugte, dass er auf Emilys Worte lauschte. Er konzentrierte sich lieber wieder auf die Waffe in Emilys Hand. Denn jene schwankte bedenklich in alle Richtungen. Doch damit hatte er sowieso gerechnet und korrigierte sanft, aber mit Nachdruck. So lange die Waffe nicht gespannt war und ihr Finger neben dem Abzug lag, waren sie alle - einschließlich den Flaschen - sicher. Doch inzwischen hatte Emily den Hahn nach hinten gezogen. Jetzt wurde es wohl etwas kniffliger. Ihre Frage kam nicht überraschend, so dass John ein wenig schmunzeln musste, ehe er ihre Arme wieder auf das Ziel zurückbewegte. "Übung. Reine Übung. Das ist nichts anderes, als das Schlagen von Teig, bis er weich und cremig wird. Ich könnte das ohne Übung nicht, du machst es dagegen fast im Schlaf. Eines Tages wirst du den Colt genauso mit Leichtigkeit heben und merken, dass du weder schwankst noch zitterst. Wenn du abdrückst, wird die Waffe in deiner Hand springen. Es gibt einen leichten Rückstoß. Aber ich stehe dicht hinter dir, so dass es dich nicht nach hinten stößt. Wenn du den Abzug durchziehst, denk daran. Halte dagegen, sonst triffst du die Wolken über uns, aber nicht die Flaschen vor uns. Ich glaube, wir sollten es einmal wagen," es war keine Frage und John erwartete auch keine Zustimmung. Stattdessen griff er wieder unterstützend unter Emilys Arme hindurch um ihr ein wenig beim Halten und Ausrichten wieder zur Hand zu gehen. "Zudem," fügte er mit einem optimistischen Unterton hinzu. "Ist die Treffgenauigkeit eines Coltes ganz sicher nicht bei 100%. Niemand kann mit diesem Ding präzise schießen. Also ärgere dich nicht, wenn es gleich schief geht," gut... Das waren nicht unbedingt die Worte, die eine angehende Schülerin hören wollte, aber es war die Wahrheit und es lag sicher nicht an Emily, wenn die ersten Schüsse an den Flaschen vorbeigingen. "Jetzt konzentriere dich," er schob ihre Arme etwas nach oben, dann etwas mehr nach links. "Siehst du die Flasche vor dir? Der Lauf muss eines werden, mit deinem Auge und deinem Ziel. Und wenn du das Ziel vorne mit dem Korn," er tippte gegen die kleine Erhöhung am Ende des Laufes. "Anvisierst, heb die Waffe ein oder zwei Millimeter höher und dann drückst du ab. Versuch es." RE: Whispers of Gunpowder - Emily Clayton - 20.07.2025 Emily schwitzte. Ihre Arme wurden allmählich schwer wie Blei, die Hände zitterten ihr, und sie hatte ein ungutes Gefühl im Magen. Außerdem war die kleine Frau verstimmt, weil John ihr einfach das Wort abgeschnitten und ihr Schießübungen verordnet hatte, als sei sie keine anständige Frau, sondern eine... ein... Flintenweib, jawohl! Demnächst würde er noch fordern, dass sie Hosen tragen und nach Männerart reiten sollte... Sie atmete zittrig, lauschte in sich hinein und wünschte sich beinahe, ein unruhig schlagendes Herz zu hören. Vielleicht hatte sie ja eine Allergie gegen... Eisen? Blei? Woraus immer so ein Revolver eben gemacht war! Leider ließ sich ihr Mann weder von einem betont schweren Atem, noch von einem gequälten Gesichtsausdruck erweichen – oder er nahm ihre kleinen Signale, typisch Mann, gar nicht wahr. Es blieb also nur, diese grässliche Übung hinter sich zu bringen und dabei halbwegs weibliche Würde zu wahren. Himmel, in London wäre jedermann entsetzt gewesen über das, was in diesem Land der Barbaren einer anständigen Christin ganz selbstverständlich zugemutet wurde... Mit sanftem Nachdruck hielt John ihre Hände und drückte sie in die richtige Richtung. "Einen Teig würde ich weiß Gott lieber bearbeiten. Dabei käme wenigstens etwas nützliches heraus", murmelte sie, eher resigniert denn protestierend. Der Mann hatte nun mal leider das Sagen in einer Ehe, da biss die Maus keinen Faden ab. Sie seufzte innerlich, kniff die Augen zusammen und versuchte den Lauf der Waffe auf die Flasche zu richten, die ihr John bedeutete. Immerhin spürte sie seine Berührung in ihrem Rücken und fühlte sich von seinen Armen quasi geborgen, als er sie umfasste und ihr beim Zielen half. Ein schönes Gefühl... "Also ist es nicht schlimm, wenn ich vorbeischieße, ja?", erkundigte sie sich, um ihren Willen zum ehelichen Gehorsam zu bezeigen. Denn natürlich würde sie vorbeischießen, meilenweit vorbei – Himmelherrgott, sie war eine Frau, und Waffen waren nichts für Frauen! Was John sich von dem ganzen nur erhoffen mochte? Sie peilte die Flasche über die kleine Unebenheit auf dem Lauf an, die sie für einen Herstellungsfehler an der Waffe gehalten hatte, atmete gottergeben aus und drückte ab. Wie John vorhergesagt hatte, gab es einen Rückstoß, der sie überraschte und nach hinten hätte taumeln lassen, hätte er nicht direkt hinter ihr gestanden. "Ach du liebe Zeit!", machte sie und schaute erschrocken auf den Revolver, der drauf und dran gewesen war, ihr mit ihren eigenen kleinen Händen eine saftige Ohrfeige zu geben. "Das ist ja wirklich ein Mordinstrument...!" Sie atmete einige Male tief durch, denn jetzt flatterte ihr Puls doch recht heftig. "Siehst du", meinte sie dann und sah mit einem entschuldigenden Lächeln zu ihrem Mann auf, "es hat keinen Zweck: Ich kann mit diesem Ding nicht umgehen und werde es niemals ler--" Ihr Blick fiel auf die Flaschenreihe, und das Wort blieb ihr im Hals stecken. Waren da... war da... nicht eben noch eine Flasche mehr gewesen...? Und woher kamen die... verdächtigen Scherben...?! Emilys Magen zog sich zusammen. Das konnte nicht wahr sein! Eine echte Frau konnte nicht schießen – und Emily war zu einhundert Prozent weiblich, echter als echt! Vielleicht... vielleicht ja ein Unfall? Eine Katze, die just im Moment des Schusses die Flasche umgestoßen hatte? Ein... eine Unebenheit? Oh ja: Die Flasche hatte schon unsicher gestanden und war nun von allein... oder... Die mollige Britin schluckte hart. "Da... da habe ich wohl Anfängerglück gehabt. Ein ganz und gar unglaubliches... Anfängerglück...", würgte sie heraus und versuchte ein krampfhaftes Lächeln. Lieber Gott, bitte..! Alles, nur das nicht...! "Das wird bestimmt das einzige Mal in meinem Leben bleiben, dass ich etwas getroffen habe", murmelte sie in einem Ton, der beschwörend klang. Ihr war mit einem Mal ganz blümerant... RE: Whispers of Gunpowder - John Clayton - 30.07.2025 John hätte es gerne vermieden - aber bei Emilys weiterem Gebrumme, mit dem sie ihre Unlust an dieser kleinen Übung bekundete, amüsierte ihn langsam und brachte ihn leider Gottes sogar zum Lachen. Leise zwar, aber der heitere Unterton war darin zu vernehmen und das untergrub seine Autorität enorm. Die an den Tag gelegte Strenge bröckelte zunehmend und John wurde sich darüber bewusst, dass er Emily mit Zwang durchaus in den Garten getrieben und an die Waffe gebracht hatte, jetzt wohl aber viel mehr ein Geduldsspiel auf ihn wartete, das er etwas vorsichtiger anzugehen gedachte. Die übliche Holzhammermethode hatte sich aufgebraucht. "Das kannst du doch nicht einfach so behaupten," erwiderte er ihr, als er sich wieder gefangen hatte. "Ohne es ausprobiert zu haben! Vielleicht bist du ja ein Naturtalent?" Das wollte er zwar stark bezweifeln, aber er musste ihr ja Mut zusprechen und nicht das letzte Quäntchen Zuversicht rauben. "Bleib einfach ganz ruhig und versuch dich zu entspannen. Stell dir vor, du streckst deine heiße Bratpfanne vor dir aus, die zum Tisch getragen werden muss." Ob ihr das half? Er wusste es nicht, aber ein besseres Beispiel wollte ihm gerade nicht einfallen. Ihre Sorge bezüglich einer schlechten ersten Trefferquote, stimmte John rasch wieder etwas vergnüglicher und er schüttelte den Kopf. "Nein, wieso sollte das schlimm sein," hakte er nach, mit Verwunderung in der Stimme. Er korrigierte ihre Haltung dabei ein weiteres Mal, dann überließ er sie ihrer Konzentration und wartete darauf, dass sie ihren ersten Schuss unter seiner Anleitung tätigte. Die Stille um sie herum wurde von dem plötzlichen, lauten Knall zerrissen, der Rückstoß ließ Emily gegen John wie vorhergesagt stoßen und vor ihnen ging eines der Ziele zu Bruch. Erstaunt zog John die Brauen in die Höhe, während Emily umgehend damit anfing, sich erneut zu beschweren, ehe sie selbst entdeckte, dass ihr Schuss getroffen hatte. Während sie verstummte, stieß John einen kleinen Pfiff aus. Es war allerdings schwer zu sagen, ob sie jenes Ziel getroffen hatte, dass sie anvisiert hatte. Vielleicht war es nur ein Zufallstreffer. Aber das ließ sich rasch herausfinden. "Möglich," lachte John angesichts Emilys Überraschung und über ihren Versuch ihren Treffer zu relativieren. "Das finden wir jedoch schnell heraus," er griff nach ihrem Arm, in dessen Hand sein Colt ruhte und schob ihn mit Nachdruck in die Höhe. "Du schießt einfach noch einmal. Und dieses Mal verrate ich dir auch einen Trick. Jetzt wo du gespürt hast, wie widerspenstig so eine Waffe in der Hand sein kann, weißt du, dass sie mit Vorsicht zu führen ist. Ich habe auch nie behauptet, dass eine Waffe ein Kinderspielzeug ist oder unbedacht eingesetzt werden sollte. Das war Lektion Nummer eins. Lektion Nummer zwei," er griff hinter ihr vorbei nach ihrem anderen Arm und schob ihn Richtung Waffenhand. "Folgt zugleich. Nimm die freie Hand und leg sie unter den Waffengriff. Wie eine Stütze? Siehst du so," um ihr zu demonstrieren was er meinte, ließ er ihren Arm los und legte seine frei gewordene Hand unter ihre Waffenhand. "Du hältst mit der freien Hand dagegen, wenn du abdrückst. Das verhindert, dass dir die Waffe um die Ohren fliegt. Und Lektion 3 - bevor du abdrückst, kurz nachdem du Luft holst und zielst, stemmst du dich mit aller Kraft deiner Beine gegen die Waffe. Das mindert den Rückstoß. Na los, probieren wir es aus," er nahm seine Hand herunter, bot ihr weiterhin die Sicherheit seiner Gegenwart, falls sie erneut den Rückstoß nicht ablenken konnte und schmunzelte ein wenig. "Versuch die Dose zu treffen, dann haben wir Gewissheit über dien Anfängerglück." RE: Whispers of Gunpowder - Emily Clayton - 01.08.2025 Emily zog einen Schmollmund, als sie bemerkte, dass ihr Mann im Angesicht ihrer Leiden zunehmend amüsiert schien. Das verletzte zwar nur ihren Stolz und war damit gewiss einem wütenden John vorzuziehen, der sie am Ende übers Knie legte – aber doch hätte sie sich von ihm etwas mehr Verständnis für ihre Notlage erhofft. Da versuchte sie ihn verzweifelt davon zu überzeugen, dass es vollkommen aussichtslos wäre, ihr den Umgang mit einem seiner furchtbaren Mordinstrumente beibringen zu wollen, und dann machte ihr ein unglücklicher Zufall einen Strich durch die Rechnung, indem er ihre weisen und unzweifelhaft richtigen Wort scheinbar lügen strafte! Dass ausgerechnet er, der vor dem Altar geschworen hatte, Emily immer zu lieben, zu ehren und zu behüten, darüber grinste, stieß der molligen Britin bitter auf. "Ein Naturtalent?!", fragte sie entsetzt. "Aber das ist doch absurd!" Sie, ein Naturtalent im Schießen! Emily holte tief verletzt Luft. Wie hätte er wohl reagiert, hätte sie die Vermutung geäußert, er könne ein Naturtalent beim Wäschewaschen sein, oder bei der Kinderpflege?! Sie unterdrückte nur mühsam ein Grummeln. Es war und blieb eine ganz und gar unweibliche Aufgabe, die er ihr stellte, da halfen auch die farbigen Vergleiche mit ihrer Hausarbeit wenig. Als wäre eine Pfanne mit diesem... diesem schießenden Ding zu vergleichen! Sogar die Waffe selbst schien ja einzusehen, dass sie nicht zueinander passten, und versetzte ihr diesen heftigen Stoß – wie hieß das doch gleich? – diesen Rückstoß als Warnung, es künftig lieber sein zu lassen. Doch John kannte keine Gnade, und das Schicksal meinte es auch nicht gut mit ihr: Statt solide und meilenweit am Ziel vorbeizuschießen, traf sie eine der vermaledeiten Dosen, ohne es gewollt zu haben. Da sie damit ein wesentliches Argument gegen Johns Pläne aus ihren Fingern rutschen spürte, stöhnte Emily leise. Am liebsten hätte sie beim nächsten Versuch den Lauf des Revolvers gleich in eine völlig falsche Richtung gehalten, um nur ja sicherzustellen, dass ihr nicht erneut das Missgeschick eines Treffers passierte. Leider waren ihr dabei ihre Erziehung und der Respekt für John im Wege: Betrug war eine Methode, die ihr einfach zu sehr widerstrebte. Mit einem kleinen Stein im Magen folgte sie also seinen Anweisungen, zielte wieder und sandte ein Stoßgebet zum Himmel, ehe sie zum zweiten Mal abdrückte. Bedauerlicherweise geriet sie diesmal weniger ins Wanken als beim ersten Versuch. Wenigstens blieb ihr dafür ein weiterer Volltreffer erspart. Allerdings bildete sie sich ein, ein helles Singen gehört zu haben, und eine zweite Dose machte verdächtige eiernde Bewegungen, als habe ein Unsichtbarer sie leicht angetippt... Das war nicht gut, definitiv nicht! Aber immerhin bewegten sich die Ergebnisse ihrer Schießversuche in die richtige Richtung, wie sie sich zu trösten versuchte. "Da bitte: Diesmal ging es daneben", piepste sie nach einer Schrecksekunde mit einer dünnen Stimme und betete, dass er das genauso werten würde. |