Es hatte eine Weile gedauert, bis John die erlittene Schmach durch die Hand seiner eigenen Frau seelisch verschmerzt hatte. Nicht so sehr die Tatsache, dass sie ihn tatsächlich angeschossen hatte – mit einer beachtlichen Zielgenauigkeit, wenn er ehrlich war –, sondern vielmehr die bittere Erkenntnis, dass er es war, der sie in dieser Hinsicht im Stich gelassen hatte. Seine erste Frau hatte das Schießen beherrscht, seine Tochter ebenso, und selbst sein Sohn hatte bereits in jungen Jahren gelernt, mit einer Waffe umzugehen. Doch Emily? Sie hatte bislang nie mehr als einen Kuchenheber oder eine Stricknadel als gefährliches Werkzeug in der Hand gehabt. Und das war allein seine Schuld.
Es hatte immer einen Grund gegeben, eine Ausrede, einen Aufschub. Mal war es Emily selbst gewesen, die mit einem „Ich kann doch unmöglich mitten im Backen fort!“ abgewunken hatte, mal war es der Alltag, der ihn beanspruchte. Wenn es nicht die Arbeit in der Stadt gewesen war, dann waren es größere Probleme gewesen – wie die nervenaufreibende Entführung seines Sohnes. Ja, das allein war ein Grund mehr, endlich nachzuholen, was längst überfällig war.
Heute würde er sich nicht beirren lassen. Kein Kuchen, kein wichtiges Nähkränzchen und auch keine übervorsichtigen Einwände à la „Was sollen die Nachbarn nur denken?“ würden ihn davon abhalten, Emily eine Waffe in die Hand zu drücken. Sie lebten hier draußen auf dem Land. Hier war es keine Seltenheit, dass eine Frau sich verteidigen konnte. Und verdammt noch mal, sie konnte es sollte es können.
Er hatte alles vorbereitet. Während Emily sich um das Abendessen und den Abwasch kümmerte, hatte er draußen im Garten ein provisorisches Zielschießen eingerichtet. Ein Brett, zwischen zwei Holzstützen aufgelegt, trug eine ordentliche Reihe Dosen und Flaschen, die sie entbehren konnten. Die Waffe, gesichert und nicht geladen, lehnte griffbereit am Brunnen. Daneben lag ein Päckchen Patronen auf einem Hocker – und zur Wahl stand außerdem einer seiner Colts. Schließlich hatte sie den genutzt, um ihm fast das Ohr wegzuschießen.
Zufrieden mit seiner Vorbereitung kehrte John ins Haus zurück. Er lauschte dem vertrauten Klappern aus der Küche, bevor er noch einmal nach dem Kleinen sah. Friedlich schlummerte der Junge in seinem Bett, die winzigen Hände an seine Decke geklammert. Er würde nichts mitbekommen. Perfekt.
Also trat er in die Küche, räusperte sich leise – eine Angewohnheit, mit der er sich selbst Raum für Worte schaffte.
„Emily“, sagte er schließlich, beinahe feierlich. Er wollte es einfach aussprechen, ihr mit ruhiger Entschlossenheit mitteilen, was er vorbereitet hatte. Doch auf dem Weg dorthin verließ ihn der Mut.
„Emily“, wiederholte er, diesmal fester, als müsse er sich selbst überzeugen. „Ich hätte eine kleine Überraschung für dich. Aber dafür müsstest du deine Arbeit einmal ruhen lassen und mir hinaus in den Garten folgen.“
Es hatte immer einen Grund gegeben, eine Ausrede, einen Aufschub. Mal war es Emily selbst gewesen, die mit einem „Ich kann doch unmöglich mitten im Backen fort!“ abgewunken hatte, mal war es der Alltag, der ihn beanspruchte. Wenn es nicht die Arbeit in der Stadt gewesen war, dann waren es größere Probleme gewesen – wie die nervenaufreibende Entführung seines Sohnes. Ja, das allein war ein Grund mehr, endlich nachzuholen, was längst überfällig war.
Heute würde er sich nicht beirren lassen. Kein Kuchen, kein wichtiges Nähkränzchen und auch keine übervorsichtigen Einwände à la „Was sollen die Nachbarn nur denken?“ würden ihn davon abhalten, Emily eine Waffe in die Hand zu drücken. Sie lebten hier draußen auf dem Land. Hier war es keine Seltenheit, dass eine Frau sich verteidigen konnte. Und verdammt noch mal, sie konnte es sollte es können.
Er hatte alles vorbereitet. Während Emily sich um das Abendessen und den Abwasch kümmerte, hatte er draußen im Garten ein provisorisches Zielschießen eingerichtet. Ein Brett, zwischen zwei Holzstützen aufgelegt, trug eine ordentliche Reihe Dosen und Flaschen, die sie entbehren konnten. Die Waffe, gesichert und nicht geladen, lehnte griffbereit am Brunnen. Daneben lag ein Päckchen Patronen auf einem Hocker – und zur Wahl stand außerdem einer seiner Colts. Schließlich hatte sie den genutzt, um ihm fast das Ohr wegzuschießen.
Zufrieden mit seiner Vorbereitung kehrte John ins Haus zurück. Er lauschte dem vertrauten Klappern aus der Küche, bevor er noch einmal nach dem Kleinen sah. Friedlich schlummerte der Junge in seinem Bett, die winzigen Hände an seine Decke geklammert. Er würde nichts mitbekommen. Perfekt.
Also trat er in die Küche, räusperte sich leise – eine Angewohnheit, mit der er sich selbst Raum für Worte schaffte.
„Emily“, sagte er schließlich, beinahe feierlich. Er wollte es einfach aussprechen, ihr mit ruhiger Entschlossenheit mitteilen, was er vorbereitet hatte. Doch auf dem Weg dorthin verließ ihn der Mut.
„Emily“, wiederholte er, diesmal fester, als müsse er sich selbst überzeugen. „Ich hätte eine kleine Überraschung für dich. Aber dafür müsstest du deine Arbeit einmal ruhen lassen und mir hinaus in den Garten folgen.“






